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Ratgeber

Kurrent-Alphabet: Alle Buchstaben der altdeutschen Schrift

Wer einen alten Brief entziffern will, braucht zuerst ein Alphabet zum Vergleichen. Hier finden Sie alle Groß- und Kleinbuchstaben der Kurrentschrift, die Sonderformen wie das lange s und die Buchstaben, die am häufigsten verwechselt werden.

Aktualisiert 24. Oktober 2026

Was ist Kurrent?

Kurrent, oft auch „deutsche Schrift“ oder „altdeutsche Schrift“ genannt, war über Jahrhunderte die Alltagsschrift im deutschsprachigen Raum. Briefe, Tagebücher, Urkunden und Kirchenbücher bis weit ins 20. Jahrhundert sind darin geschrieben. Sie ist nach rechts geneigt, spitz und hat hohe Ober- und Unterlängen. Die spätere Sütterlinschrift steht dagegen senkrecht und wirkt runder. Wie Sie beide unterscheiden, lesen Sie unter Kurrentschrift übersetzen.

Das Kurrent-Alphabet

Jeder Buchstabe als Großbuchstabe und Kleinbuchstabe, darunter die heutige Form.

  • A a
  • B b
  • C c
  • D d
  • E e
  • F f
  • G g
  • H h
  • I i
  • J j
  • K k
  • L l
  • M m
  • N n
  • O o
  • P p
  • Q q
  • R r
  • S ſ
  • T t
  • U u
  • V v
  • W w
  • X x
  • Y y
  • Z z

Gesetzt in der Schrift Greifswalder Deutsche Schrift von Peter Wiegel (SIL Open Font License), einer Kurrent nach dem Vorbild von Rudolf Koch. Echte Handschriften weichen davon ab.

Sonderformen: langes s, ch, ck und ß

KurrentHeuteWann und wie
ſ (langes s)am Wort- und Silbenanfang und im Wortinneren
s (rundes s)am Wortende und am Ende eines Wortteils, etwa in „Hausfrau“
ßaus langem s und z zusammengesetzt
chdas c sieht aus wie ein i ohne Punkt
ckebenso mit dem kurzen c
c (einzeln)allein stehend mit einem Häkchen, damit „cn“ nicht wie „m“ aussieht
sthäufige Verbindung aus langem s und t
ä ö üUmlaute mit zwei Punkten oder kleinen Strichen darüber

Diese Buchstaben werden am häufigsten verwechselt

KurrentBuchstabenSo unterscheiden Sie sie
e und nBeide bestehen aus zwei Abstrichen. Das e ist meist schmaler und enger.
n und uDas u trägt einen kleinen Bogen darüber. Fehlt er, hilft nur der Zusammenhang.
langes s und fDas f hat einen Querstrich durch den Schaft, das lange s nicht.
c und iDas i hat einen Punkt. Das c in „ch“ und „ck“ hat keinen.
m und wDas w endet mit einer Schleife nach oben, das m mit einem Abstrich.
I und JDie Großbuchstaben sind oft kaum zu unterscheiden. Lesen Sie das ganze Wort.

Übungswörter aus alten Briefen

Diese Wörter stehen in fast jedem Brief. Wer sie einmal sicher erkennt, findet den Einstieg leichter.

  • Liebe Eltern!
  • und nicht ich wir
  • Mutter Vater
  • Haus Sonntag
  • Herzlichen Gruß

So arbeiten Sie mit dem Alphabet

  1. Beginnen Sie mit Anrede, Datum und Unterschrift. Diese Stellen folgen festen Mustern.
  2. Suchen Sie jeden erkannten Buchstaben im restlichen Brief und tragen Sie ihn überall ein.
  3. Legen Sie sich eine eigene Tabelle der Handschrift an. Sie ist am Ende genauer als jede Vorlage.
  4. Markieren Sie unsichere Stellen, statt zu raten, besonders bei Namen und Orten.

Für Soldatenbriefe mit ihren Abkürzungen hilft der Ratgeber Feldpostbriefe lesen.

Ehrliche Grenzen

Eine Tabelle zeigt eine saubere Schulform. Alte Briefe sind oft schnell, eng oder verblasst geschrieben, und manche Buchstaben lassen sich nur aus dem Zusammenhang erschließen. Prüfen Sie Namen, Orte und Daten immer am Original.

Häufige Fragen

Ist das dasselbe wie das Sütterlin-Alphabet?
Nein. Sütterlin ist eine spätere, senkrecht stehende Schulschrift mit runderen Formen. Viele Buchstaben sind verwandt, aber nicht gleich. Mehr dazu im Ratgeber Sütterlin lesen.
Warum sieht die Handschrift im Brief anders aus als die Tabelle?
Die Tabelle zeigt eine gleichmäßige Schulform. Jeder Mensch schrieb etwas anders, schneller oder flüchtiger. Vergleichen Sie deshalb immer mehrere Stellen im selben Brief.
Kann ich die Tabelle ausdrucken?
Ja. Über die Druckfunktion Ihres Browsers drucken Sie die Seite ohne Navigation, sodass Sie das Alphabet neben den Brief legen können.