Ratgeber
Kurrent-Alphabet: Alle Buchstaben der altdeutschen Schrift
Wer einen alten Brief entziffern will, braucht zuerst ein Alphabet zum Vergleichen. Hier finden Sie alle Groß- und Kleinbuchstaben der Kurrentschrift, die Sonderformen wie das lange s und die Buchstaben, die am häufigsten verwechselt werden.
Was ist Kurrent?
Kurrent, oft auch „deutsche Schrift“ oder „altdeutsche Schrift“ genannt, war über Jahrhunderte die Alltagsschrift im deutschsprachigen Raum. Briefe, Tagebücher, Urkunden und Kirchenbücher bis weit ins 20. Jahrhundert sind darin geschrieben. Sie ist nach rechts geneigt, spitz und hat hohe Ober- und Unterlängen. Die spätere Sütterlinschrift steht dagegen senkrecht und wirkt runder. Wie Sie beide unterscheiden, lesen Sie unter Kurrentschrift übersetzen.
Das Kurrent-Alphabet
Jeder Buchstabe als Großbuchstabe und Kleinbuchstabe, darunter die heutige Form.
- A a
- B b
- C c
- D d
- E e
- F f
- G g
- H h
- I i
- J j
- K k
- L l
- M m
- N n
- O o
- P p
- Q q
- R r
- S ſ
- T t
- U u
- V v
- W w
- X x
- Y y
- Z z
Gesetzt in der Schrift Greifswalder Deutsche Schrift von Peter Wiegel (SIL Open Font License), einer Kurrent nach dem Vorbild von Rudolf Koch. Echte Handschriften weichen davon ab.
Sonderformen: langes s, ch, ck und ß
| Kurrent | Heute | Wann und wie |
|---|---|---|
| ſ (langes s) | am Wort- und Silbenanfang und im Wortinneren | |
| s (rundes s) | am Wortende und am Ende eines Wortteils, etwa in „Hausfrau“ | |
| ß | aus langem s und z zusammengesetzt | |
| ch | das c sieht aus wie ein i ohne Punkt | |
| ck | ebenso mit dem kurzen c | |
| c (einzeln) | allein stehend mit einem Häkchen, damit „cn“ nicht wie „m“ aussieht | |
| st | häufige Verbindung aus langem s und t | |
| ä ö ü | Umlaute mit zwei Punkten oder kleinen Strichen darüber |
Diese Buchstaben werden am häufigsten verwechselt
| Kurrent | Buchstaben | So unterscheiden Sie sie |
|---|---|---|
| e und n | Beide bestehen aus zwei Abstrichen. Das e ist meist schmaler und enger. | |
| n und u | Das u trägt einen kleinen Bogen darüber. Fehlt er, hilft nur der Zusammenhang. | |
| langes s und f | Das f hat einen Querstrich durch den Schaft, das lange s nicht. | |
| c und i | Das i hat einen Punkt. Das c in „ch“ und „ck“ hat keinen. | |
| m und w | Das w endet mit einer Schleife nach oben, das m mit einem Abstrich. | |
| I und J | Die Großbuchstaben sind oft kaum zu unterscheiden. Lesen Sie das ganze Wort. |
Übungswörter aus alten Briefen
Diese Wörter stehen in fast jedem Brief. Wer sie einmal sicher erkennt, findet den Einstieg leichter.
- Liebe Eltern!
- und nicht ich wir
- Mutter Vater
- Haus Sonntag
- Herzlichen Gruß
So arbeiten Sie mit dem Alphabet
- Beginnen Sie mit Anrede, Datum und Unterschrift. Diese Stellen folgen festen Mustern.
- Suchen Sie jeden erkannten Buchstaben im restlichen Brief und tragen Sie ihn überall ein.
- Legen Sie sich eine eigene Tabelle der Handschrift an. Sie ist am Ende genauer als jede Vorlage.
- Markieren Sie unsichere Stellen, statt zu raten, besonders bei Namen und Orten.
Für Soldatenbriefe mit ihren Abkürzungen hilft der Ratgeber Feldpostbriefe lesen.
Ehrliche Grenzen
Eine Tabelle zeigt eine saubere Schulform. Alte Briefe sind oft schnell, eng oder verblasst geschrieben, und manche Buchstaben lassen sich nur aus dem Zusammenhang erschließen. Prüfen Sie Namen, Orte und Daten immer am Original.
Häufige Fragen
- Ist das dasselbe wie das Sütterlin-Alphabet?
- Nein. Sütterlin ist eine spätere, senkrecht stehende Schulschrift mit runderen Formen. Viele Buchstaben sind verwandt, aber nicht gleich. Mehr dazu im Ratgeber Sütterlin lesen.
- Warum sieht die Handschrift im Brief anders aus als die Tabelle?
- Die Tabelle zeigt eine gleichmäßige Schulform. Jeder Mensch schrieb etwas anders, schneller oder flüchtiger. Vergleichen Sie deshalb immer mehrere Stellen im selben Brief.
- Kann ich die Tabelle ausdrucken?
- Ja. Über die Druckfunktion Ihres Browsers drucken Sie die Seite ohne Navigation, sodass Sie das Alphabet neben den Brief legen können.