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Ratgeber

Kurrentschrift übersetzen: So werden alte Briefe verständlich

Kurrent ist die traditionelle deutsche Handschrift. Wer Vorfahren recherchiert, begegnet ihr früher oder später: in Briefen und Tagebüchern, in Feldpost, in Urkunden und in vielen Kirchenbüchern.

Aktualisiert 6. Oktober 2026

Was ist Kurrentschrift?

Kurrent war über Jahrhunderte die Alltagsschrift im deutschsprachigen Raum. Sütterlin ist eine spätere, vereinfachte Form: Die Buchstaben ähneln sich, sind aber nicht gleich. Deshalb lohnt es sich zu wissen, welche der beiden Schriften Sie vor sich haben, bevor Sie ein Alphabet zum Vergleichen heraussuchen.

Vom Original zum verständlichen Text

Eine alte Handschrift in heutiges Deutsch zu bringen, sind eigentlich zwei Schritte:

  1. Abschrift (Transkription): Der Text wird Buchstabe für Buchstabe übertragen, auch mit den alten Schreibweisen, etwa „thun“ statt „tun“ oder „Theil“ statt „Teil“.
  2. Lesefassung: Danach wird der Text in heutige Rechtschreibung gebracht, Abkürzungen werden aufgelöst und veraltete Wörter erklärt.

Wer beide Schritte trennt, kann später nachprüfen, was wirklich im Original steht.

Wo Sie Kurrent begegnen

Wer Familiengeschichte erforscht, findet Kurrent an vielen Stellen: in Briefen und Postkarten der Großeltern und Urgroßeltern, in Tagebüchern und Haushaltsbüchern, in Feldpost aus den Weltkriegen, in Urkunden, Zeugnissen und Verträgen sowie in Kirchenbüchern mit Taufen, Heiraten und Sterbefällen. Gerade bei Namen und Daten lohnt sich die Mühe, denn sie öffnen den Weg zu weiteren Quellen, etwa in Archiven und bei Standesämtern.

Typische Abkürzungen und Datumsformeln

  • d. M. / v. M. / n. M. bedeutet „dieses Monats“, „vorigen Monats“ und „nächsten Monats“, gerechnet vom Datum des Briefes.
  • d. J. steht für „dieses Jahres“.
  • Datumszeile: Ort und Datum stehen meist oben, etwa „Bremen, den 3. Mai 1908“.
  • Alte Schreibweisen wie „thun“, „Theil“ oder „seyn“ sind normal und kein Schreibfehler.

Tipps für den Start

  • Arbeiten Sie zuerst mit den Stellen, die Sie sicher lesen können, und erweitern Sie von dort aus.
  • Vergleichen Sie unklare Wörter mit Namen aus der Familie und mit Orten, die zur Geschichte passen.
  • Notieren Sie Unsicheres als unsicher, statt es zu glätten.
  • Ortsnamen haben sich oft geändert. Behalten Sie den Namen, wie er im Brief steht, und notieren Sie den heutigen Namen getrennt.

So prüfen Sie eine Lesefassung

  1. Vergleichen Sie Namen, Daten und Orte in der Lesefassung Buchstabe für Buchstabe mit der Abschrift.
  2. Seien Sie misstrauisch bei Sätzen, die sehr glatt klingen, obwohl die Abschrift an dieser Stelle unsicher ist.
  3. Fragen Sie bei wichtigen Passagen Verwandte oder eine Ahnenforschungs-Gemeinschaft, die die Schrift liest.
  4. Korrigieren Sie zuerst die Abschrift. Die Lesefassung muss sich daraus ergeben, nicht umgekehrt.

Mit Heirloom eine erste Lesefassung erstellen

Heirloom liefert aus einem Foto eine originalgetreue Abschrift und eine Lesefassung in heutigem Deutsch, auf Wunsch mit Übersetzung, wenn der Text nicht auf Deutsch geschrieben ist. Sie sehen die Originalseite neben dem Text und können Korrekturen auf dem Gerät eintragen.

Das ersetzt keine fachliche Prüfung. Bei verblasster Tinte, Wasserschäden oder sehr enger Schrift wird das Ergebnis unsicher, und Namen und Orte rät die App gelegentlich. Wenn ein Brief für Ihren Stammbaum zählt, lassen Sie ihn gegenlesen.

Ehrliche Grenzen

Eine Übersetzung ist ein Entwurf, keine beglaubigte Fassung. Für amtliche Zwecke, etwa bei Erbschaften oder Einbürgerungen, brauchen Sie eine beeidigte Übersetzung.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Kurrent und Sütterlin?
Kurrent ist die ältere Handschrift, Sütterlin eine später entworfene Schulschrift mit einfacheren Formen. Einen Einstieg zum Lesen finden Sie unter Sütterlin lesen.
Welche Dokumente sind meist in Kurrent geschrieben?
Briefe, Tagebücher, Feldpost, Urkunden und viele alte Kirchenbücher.
Ist die Übersetzung fehlerfrei?
Nein. Behandeln Sie sie als Entwurf und prüfen Sie wichtige Namen, Orte und Daten.