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Ratgeber

Feldpostbriefe lesen: So entziffern Sie Soldatenbriefe

In vielen Familien liegt ein Bündel Feldpostbriefe: Briefe eines Großvaters oder Urgroßvaters aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg. Sie sind oft in Kurrent oder Sütterlin geschrieben, mit Bleistift, eng und verblasst. Mit etwas Hintergrundwissen und einem festen Vorgehen werden sie lesbar.

Aktualisiert 12. Oktober 2026

Was sind Feldpostbriefe?

Feldpost ist die Post zwischen Soldaten an der Front und ihren Familien zu Hause. Briefe, Karten und Päckchen gingen in beide Richtungen. Aus beiden Weltkriegen sind sehr viele Feldpostbriefe erhalten, oft als Bündel in Schachteln und Schubladen. Für die Familienforschung sind sie wertvoll, weil sie Namen, Einheiten, Daten und den Alltag eines Menschen in seinen eigenen Worten zeigen.

Welche Schrift ist es?

Briefe aus dem Ersten Weltkrieg sind häufig in Kurrent geschrieben. Bei Briefen aus dem Zweiten Weltkrieg finden Sie Sütterlin, Kurrent und lateinische Schreibschrift nebeneinander, je nachdem, wann und wo der Schreiber zur Schule ging. Prüfen Sie zuerst, welche Schrift vorliegt: Sütterlin lesen erklärt den Einstieg, Kurrentschrift übersetzen den Weg von der Abschrift zum heutigen Deutsch.

Was auf dem Umschlag steht

  • Feldpostnummer: Bei Briefen aus dem Zweiten Weltkrieg steht statt einer Ortsangabe oft eine mehrstellige Nummer. Sie bezeichnet die Einheit und hilft, sie später zu ermitteln.
  • Absender mit Dienstgrad: Name, Dienstgrad und Einheit stehen oft auf der Rückseite.
  • Stempel und Vermerke: Poststempel, Datum und gelegentlich Prüfvermerke geben Hinweise auf Zeit und Weg des Briefes.

Fotografieren Sie Umschlag und Rückseite immer mit, auch wenn der Brief selbst im Mittelpunkt steht.

Typische Abkürzungen

  • Uffz., Gefr., Ltn. stehen für Unteroffizier, Gefreiter und Leutnant.
  • Kp., Btl., Rgt. stehen für Kompanie, Bataillon und Regiment.
  • d. M. / v. M. / d. J. bedeuten „dieses Monats“, „vorigen Monats“ und „dieses Jahres“.
  • „Im Felde“ als Ortsangabe heißt: Der Schreiber nennt seinen Aufenthaltsort nicht.

In vier Schritten zur Abschrift

  1. Lesen Sie zuerst, was sicher ist: Datum, Anrede, Dienstgrad, Unterschrift und Zahlen.
  2. Übertragen Sie den Text Zeile für Zeile, auch mit alten Schreibweisen und ohne zu glätten.
  3. Markieren Sie Unsicheres, besonders bei verblasstem Bleistift, statt zu raten.
  4. Prüfen Sie Namen und Orte mit der Familie und mit Archivunterlagen.

Mit Heirloom einen ersten Überblick bekommen

Mit der App Heirloom fotografieren oder importieren Sie bis zu fünf Seiten eines Briefes und erhalten eine originalgetreue Abschrift sowie eine Lesefassung in heutigem Deutsch. Original und Text stehen nebeneinander, und Korrekturen können Sie direkt auf dem Gerät vornehmen. Heirloom eignet sich als erster Durchgang für einen Stapel Briefe. Bei stark verblasstem Bleistift wird das Ergebnis unzuverlässig, und Eigennamen und Ortsnamen können falsch sein.

Wo Sie weiterforschen können

Das Bundesarchiv und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge helfen bei der Spurensuche nach Einheiten und Schicksalen. Foren für Ahnenforschung und Heimatvereine bieten Lese- und Übersetzungshilfe, wenn eine Stelle unklar bleibt.

Ehrliche Grenzen und ein behutsamer Umgang

Feldpostbriefe können bedrückend sein. Nehmen Sie sich Zeit, und gehen Sie mit dem Inhalt behutsam um. Technisch gilt: Kein Programm ersetzt das Gegenlesen. Behandeln Sie jede Lesung als Entwurf, und prüfen Sie Namen, Orte und Daten, bevor Sie sich in der Familienforschung darauf verlassen.

Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, in welcher Einheit mein Vorfahre war?
Bei Briefen aus dem Zweiten Weltkrieg steht auf dem Umschlag oft eine Feldpostnummer. Mit ihr lässt sich die Einheit häufig über Verzeichnisse und Archive ermitteln. Fragen Sie beim Bundesarchiv oder beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach, wenn Sie mehr wissen möchten.
Warum stehen in Feldpostbriefen kaum Ortsnamen?
Briefe konnten kontrolliert werden, und militärische Angaben waren tabu. Viele Schreiber blieben deshalb vage und schrieben nur „im Felde“ oder gaben die Feldpostnummer an.
Kann eine App Feldpostbriefe zuverlässig lesen?
Eine App kann einen ersten Entwurf liefern. Bei verblasstem Bleistift und enger Schrift bleiben Stellen unsicher, deshalb sollten Sie Namen, Orte, Daten und Zahlen immer gegenprüfen.